Aktuelle Hinweise  

Wie haben das Gruppentraining wieder aufgenommen.

Das Gymnastik-Training am Mo in der Halle kann ab Juni wieder stattfinden - allerdings vorläufig ohne Benutzung der Umkleiden und der Duschen.

 

Neu: Terminliste 2020

 

Link zum Radsport-Portal:  "radnet"

Link zu unserem Hauptverein: ATS-Hohenlimburg-Nahmer

   

 

Fragen

Rennrad fahren bis ins hohe Alter? Geht das? Macht das Sinn? Wenn ja, wie geht das? Was sind das für Menschen? Was motiviert sie? Was fasziniert sie daran, tausende von Kilometern auf einem wenig komfortablen Rad zu fahren?

Diesen Fragen möchte ich nachgehen und habe mich in meinem regionalem Umfeld nach besonderen Typen umgesehen, die etwas zu erzählen haben. Welche Erfahrungen können über 70jährige weitergeben? Was kann man an ihnen studieren? Kann man es ihnen nachtun?

Schon vor 40 Jahren habe ich das Buch des früheren Laufpapstes van Aaken: „Programmiert für hundert Lebensjahre“ in die Hand bekommen.

Van Aaken vertrat vereinfacht zusammengefasst die Ansicht, dass die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff das A und O für einen langanhaltenden Gesundheitszustand ist. Dies müsste man exemplarisch belegen können, speziell auch bei Rennradfahrern.

Wann hören die meisten auf, Fußball zu spielen oder gar Handball? Auch im Hobby-Bereich sieht man dort nicht mehr viele. Meniskus, Kreuzband, … die typischen Verletzungen machen dem Lieblingssport recht früh ein Ende. Laufen – als Langstreckenlauf – geht wohl länger, aber auch da melden sich irgendwann die Gelenke und wenige alte Läufer haben noch einen flüssigen Laufstil. Anders beim Rennrad! Bei den entsprechenden, organisierten Veranstaltungen überwiegen die Leute über 40. Rad-Weltmeisterschaften gibt es für Altersgruppen bis über 80!

Ich fahre selbst seit ca. 40 Jahren Rennrad und habe ältere Kollegen seit dem mit Interesse beobachtet. Wie entwickelt sich ihr Leistungsvermögen? Wie gesund sind sie? Halten sie sich so gut, weil sie Rennrad fahren oder obwohl sie Rennrad fahren? Es gibt erstaunliche Ergebnisse. Schauen wir uns ein Rennradfahrer-Leben aus ihrer Perspektive an.

Wie ich zum Radfahren kam

Als 1954 Geborener wuchs ich in den 60er Jahren heran. Mein Lebensumfeld war ein kleines Seitental des Lennetals. Dieses war geprägt durch Metall-und Walzindustrie mit den dazugehörigen teils firmeneigenen Arbeitersiedlungen. Das Leben der Kinder spielte sich zu der Zeit in der Regel draußen ab. Wenn es ein eigenes Zimmer gab, dann musste man es mit Geschwistern teilen. Freunde mit in die eigene Wohnung zu nehmen, war eher die Ausnahme. Wenn also das Wetter nicht gar zu schlecht war, verbrachte man seine Freizeit draußen – Straßenfußball, Rollschuhfahren, Federball spielen, Radfahren … und man fand immer Gesellschaft, denn es gab – anders als heute - viele Kinder in der Siedlung.

Einige der älteren Jungs hatten alte Kriegs- oder Vorkriegsräder von Erwachsenen, die irgendjemand wieder fahrbar gemacht hatte. Als 8- oder 9jähriger interessierte mich das auch, Fahrrad fahren zu können. Ich bettelte, bis die älteren Jungs mich auch mal an ein 28er Damenrad ließen. Aufsteigen ging ja einfach damit und irgendwie haben sie mir das beigebracht, so dass ich hauptsächlich im Stehen fuhr, denn der Sattel war zu hoch. Mein Vater muss das wohl mitbekommen haben und holte dann das alte 28er Damenrad meiner Mutter vom Dachboden, mit dem sie in der Nach-Kriegszeit zur Arbeit gefahren war. Es war ziemlich verrostet und und sah sehr alt aus. Aber mit neuen Schläuchen wurde es wieder fahrbar. Da passte ich dann so eben drauf und hatte endlich ein eigenes.

Kurze Zeit später bekam ich dann zum 10. Geburtstag von meinem Großvater ein neues 26er Fahrrad mit Torpedo-Drei-Gang-Nabe, damit konnte ich mich dann wie der König fühlen, so etwas hatten die wenigsten. Dieses erste Rad hat mich dann einige Jahre begleitet und erweiterte meinen Aktionsradius erheblich. Mit 13 oder 14 waren wir stolz, es bis zur nächsten Talsperre geschafft zu haben, das waren immerhin 25 km hin und 25 km zurück, mit einigen Bergen dazwischen.

Von den Eltern fuhr damals fast niemand mit den Kindern Fahrrad, so wie man das heute mit Familienausflügen kennt. Erstens gab es noch viel längere Arbeitszeiten als heute und alle waren froh, am Wochenende die Füße hoch legen zu können und zweitens sparte man auf das erste Auto hin oder erfreute sich daran, wenn man es sich leisten konnte. Für die Kinder hieß das, dass ein Fahrrad auch ein alternatives Fortbewegungsmittel zum Bus war, so dass man unabhängiger und beweglicher war.

Mein Hauptinteresse als Heranwachsender galt dem Fußball und ich begann auch Zeitung zu lesen – nur die Sportseite natürlich, erste Glanzzeit von Borussia Dortmund. Aus irgendeinem Grund, den ich nicht mehr weiß, verfolgte ich aber auch die Ergebnisse der Tour de France und eine Zeit lang kaufte ich mir regelmäßig den „Kicker“. Dieser brachte damals auch noch Berichte und Bilder aus anderen Sportarten und mir ist noch gegenwärtig, dass neben meinen Fußballstars, mit denen ich mein Zimmer tapezierte, auch großformatige Fotos vom Eddy Merckx, Rudi Alltig und Co hingen.

Mit 15 oder 16 Jahren begann dann die Zeit der Mofas und Mopeds und für das Fahrradfahren war ich für einige Jahre verloren. Für meine Eltern war ein Moped damals unnütz und zu teuer, was aber dazu führte, dass ich mit 18, als das Motorrad begann, eine Renaissance zu erleben, ein großer Enthusiast auf diesem Gebiet wurde. Trotzdem gab es dann ein kleines Zwischenspiel mit einem Tourenrad, als die Ölkrise 1973 den Verkehr sonntags lahmlegte und uns anregte, über unser Umweltverhalten nachzudenken. Eine Zeitlang fuhr ich dann mit dem Tourenrad zur Hochschule, weil ich mich als Idealist beweisen wollte. Hielt aber nicht lange an und die Bedeutung des Fahrrads verschwand wieder aus meinem Leben.

Nach Berufsstart, Familiengründung usw. fiel ich irgendwann in ein tiefes Loch, weil eine Knie-Verletzung, die ich beim geliebten Hobby-Fußball erlitten hatte, immer wieder aufbrach, wenn ich wieder anfangen wollte, mich dynamisch zu bewegen. Mein damaliger Hausarzt Dr. Quellmann machte den Vorschlag, es mal mit Rennradfahren zu versuchen, das könnte mein Knie vielleicht wieder stabilisieren.

Es gab damals schon eine kleine Gruppe von Rennradfahrern in unserer Stadt – die „Windschattenkumpel“. Mit denen nahm ich Kontakt auf und nach einigen informativen Gesprächen bestellte ich mein erstes Rennrad bei der Versandfirma „Brüggelmann“ in Einzelteilen. Es war ein roter Flandria-Rahmen aus Belgien und ich baute relativ gute Komponenten von Shimano daran, alles zusammen für 1100 DM. Die Wirkung der DuraAce-Bremsen überraschte mich bei der ersten Probefahrt dermaßen, dass ich fast über den Lenker gegangen wäre, alle Felgenbremsen, die ich vorher kennen gelernt hatte, waren dagegen der reinste Schrott! In der Radsportgruppe war ich dann Flandria3, denn zwei Kollegen hatten auch einen solchen Rahmen. Bei den Trainingsausfahrten lernte ich dann relativ schnell, wie man sich beim Gruppenfahren verhält und machte auch konditionell schnell Fortschritte, ich war infiziert.

Nun aber erst mal zu den Radsportlern, die ich schon mein ganzes Radsportleben lang kenne, beobachtet und nun zu ihren Erfahrungen befragt habe.

 

 

Horst Landsiedel - der Vernünftige – geb. 1938/81 Jahre

Horst ist mit 38 Jahren zum Radsport gekommen, als ein Bekannter günstig ein Peugeot-10-Gang-Rennrad verkaufte. Seit dem 13. Lebensjahr spielte er Handball, war von Natur aus ein sehr sportlicher Typ konnte auch gut turnen, schwimmen und laufen.

Mit dem Handball (damals noch Feldhandball) war es wegen Rückenproblemen irgendwann vorbei. Aber Rad fahren ging – bis heute! Bald entdeckte er den Spaß, in der Gruppe zu fahren, diese Gruppe waren die regional bekannten „Windschattenkumpels“, die sich zweimal die Woche trafen. Diese Periode ging von 1975 bis 2002 – 27 Jahre lang bis bis zum Alter von 61 Jahren. In dieser Zeit fuhr Horst pro Jahr ca. 3000 km. Er nahm an vielen Rad-Marathons und Rundfahrten teil. Allein die Vorarlberg-Rundfahrt (146 km bei 2400 hm) absolvierte er 19mal! (Allerdings hat er auch eine Freundin am Vorarlberg wohnen!)

 

Sein größtes/tiefstes Erlebnis:

Der größte Höhepunkt sollte das Alpenbrevet 1983 in der Schweiz mit den Pässen Gotthard, Nufenen, Grimsel und Susten werden. 160 km, 4490 HM. Landschaftlich einmalig. Bedingt durch die sehr große Hitze an dem Tag habe ich die letzten 2-3 km vor dem Ziel Andermatt nicht mehr geschafft. Das war allerdings mein größter Tiefpunkt. Ich hatte sehr großen Durst, mir tat alles weh, ich konnte die Pedalen nicht mehr drücken, ich wurde immer müder, es ging nichts mehr. Die Trinkvorräte waren schon lange aufgebraucht. Beim Anstieg zum Sustenpass habe ich das Tröpfelwasser, das an den Felswänden runter kam, getrunken. Als ich dann am Straßenrand so stand, kamen die ersten schon mit ihren Autos zurück, die lange vor mir ans Ziel kamen. Ein Auto hielt bei mir an, als die sahen, was mit mir los war, haben sie mir Wasser gegeben. Viele Radfahrer hatten auf dieser Tour Begleitfahrzeuge dabei. Ich nur eine Trinkflasche. Radfahrkumpel Karl Heinz war dann voraus gefahren, er hatte noch genügend Kraftreserven und hat den Verantwortlichen mitgeteilt, dass noch viele Fahrer unterwegs seien und dass sie den Kontrollschluss verschieben sollten. Das wurde gemacht. So bekamen wir auch die verdiente oder unverdiente Auszeichnung. Außerdem hatte ich an dem Abend, weil ich dermaßen auf dem O-Punkt war, beschlossen, nie wieder Fahrrad zu fahren. - Nach ein paar Tagen, als es mir dann wieder besser ging, stand ich bei den nächsten Fahrradtreffen am Bahnhof wieder auf der Matte.“

Seit 2002 hat Horst mit rheumatische Beschwerden zu kämpfen, das Niveau der Radsportgruppe war dafür zu hoch. Andere hätten vielleicht dagegen angekämpft, nicht mehr mitzukommen, aber Horst traf eine „vernünftige“ Entscheidung: Gesundheit geht vor! Und er tat sich mich zwei älteren Fahrern für gemeinsame etwas gemütlichere Touren zusammen.

 Zwischenzeitlich hatte er sich ein Tourenrad gekauft und er entdeckte den Reiz der deutschen Fern-Radwanderwege, die nun für viele Jahre seinen Urlaub bestimmten.

Seit 2016 fährt er nur noch mit dem E-Bike. Aber was heißt schon „nur noch“? Damit fährt er genauso weit und viel, aber er kann die Belastung besser kontrollieren. In 43 Jahren schätzt Horst seine Kilometer-Bilanz auf über 140000 km – besonders bemerkenswert: nur ein wirklicher Sturz mit einer leichten Verletzung!

Er fährt auch immer noch Ski, macht seit einiger Zeit Qi-Gong und bei schlechtem Wetter geht er ins Fitnessstudio.

Horst ist seit vielen Jahren AFCD-Mitglied.

 

Fritz Pütthoff – Der Leistungssportler – geb. 1935/83 Jahre alt

Wettkampf bis ins hohe Alter - Fritz Pütthoff zählt zur Garde der richtigen Leistungssportler.

Als 16jähriger kam Fritz zum Radsport, zunächst fuhr er für Schwalbe-Westig, später für Union Fröndenberg. Schon ein Jahr nach seinem Vereinseintritt in Westig (heute ein Stadtteil von Iserlohn) gewann er das damals populäre Hemeraner Radrennen „Rund um die Hermannshöhe“. 1955 war er für einige Tage Mitglied der Nationalmannschaft, ein Jahr später fuhr er sogar um die Qualifikation für die Olympischen Spiele mit. Leider schaffte er den großen Karrieresprung nicht, weil er in einem entscheidenden Vergleich durch einen Platten zurückfiel. Angebote als Profi zu fahren, lehnte er ab, weil ihm Familie und heimatliches Umfeld wichtiger war.

Mit 32 Jahren beendete er seine Amateur-Rennfahrer-Karriere, um sich einige Jahre dem Kegeln als Leistungssport zu widmen, fuhr aber weiterhin Rennrad. Seine Rennleidenschaft wurde neu entfacht, als sich im heimischen Raum ein Sechs-Tage-Rennen als erstes Rennen im Jahreskalender der Region etablierte - veranstaltet von seinem Verein PSV Iserlohn. Das waren 3 Wochenenden Straßenrennen auf einem kleinen Rundkurs. Fritz löste mit 40 Jahren wieder eine Lizenz und fuhr fortan wieder Rennen in den entsprechenden Altersklassen.

Seinem auf Höchstleistung trainierten Organismus tat das gut, hatten sich doch vorher leichte Herzbeschwerden eingeschlichen, wie es scheinbar häufig vorkommt, wenn man von zu-viel-Belastung auf zu-wenig-Belastung umschaltet.

Bald gehörte Fritz international zu den weltbesten Seniorenfahrern. Die Senioren-Radweltmeisterschaften in St. Johann in Österreich waren für viele Jahre der Höhepunkt seiner Saisonplanung. Vor zehn Jahren mit 70 beendete er seine Wettkampfkarriere mit einem 4. Platz bei der Weltradsportwoche in der Steiermark.

Heute lässt es Fritz ruhiger angehen. Trotz einiger gesundheitlicher Probleme fährt Fritz weiter Rennrad. Er trifft sich mit den Senioren seines Clubs (Polizeisportverein Iserlohn) dienstags und donnerstags für jeweils 80 – 120 Kilometer – , die keinesfalls nur müde und langsam gefahren werden. Allerdings zählte er zu den ersten, die ein Rennrad mit unterstützendem Motor im Rahmen kauften. Damit kann er am Berg so fahren, dass er sich in Rücksicht auf seine Gesundheit nicht übermäßig belasten muss, aber doch noch mit den Kollegen mitkommt.

 

Eberhard Fingerhut – der Beständige – geb. 1945 / 74 Jahre

Eberhard kam mit 36 Jahren zum Radsport, nachdem er sich bis dahin mit Judo und Karate fit gehalten hatte. Eine Verletzung an der Wirbelsäule beendete diese Episode. Eine Operation an der Bandscheibe war unumgänglich und an Leistungssport nicht mehr zu denken. Um nicht ganz einzurosten, kaufte er für sich und seine Frau zwei Kettler-Alu-Räder. Damit erkundeten die beiden das ganze Münsterland auf den sogenannten Pättkespfaden.

Durch einen Arbeitskollegen kam Eberhard an den Radsportverein SSV Hagen und kaufte das erste Rennrad, ein Colnago, noch mit 6-fach-Rahmenschaltung. Diese Entscheidung stellte sein Leben auf den Kopf. Trotz Abraten der Ärzte, dass Rennradfahren nichts für seinen Rücken sei, begann die Leidenschaft für den Ausdauersport.

Da Eberhard ein sehr genauer und ordnungsliebender Mensch ist, hat er seine jährlich gefahrenen Kilometer in einer Tabelle festgehalten und dort sehen wir, dass seine KM-Bilanz rasch auf über 10 000 km pro Jahr anstieg. Wenn man einen bestimmten Punkt überwunden hat, beginnt die körperliche und psychische Herausforderung Spaß zu machen. Nach ca. einer halben Stunde Training stellt sich in der Regel ein „Flow“ ein, der Körper schüttet Hormone aus, die einen tragen. Natürlich geraten längere Ausfahrten und Wettbewerbe später häufig in einen Bereich, wo man sich quält und leidet. Aber auch das gehört dazu und wird akzeptiert, weil nach der Anstrengung sich ein Zufriedenheitsgefühl einstellt und man das Essen und Trinken viel mehr genießen kann, als ohne Anstrengung. Das Glück lebt hier auch von den großen Unterschieden, wer sich immer nur auf einem Level bewegt, lebt in der Langeweile!

Zu Eberhards Radsportkarriere gehörten zunächst die sogenannten Rad-Touristik-Fahrten, wo man man am Wochenende von den Radsportvereinen organisierte Strecken abfährt und je nach Kilometern für eine Jahresbilanz Punkte sammelt - siehe Eberhards Liste aus dem Jahre 1987: 124 Punkte für 6361 km. Zeitweise lag er auf der Gesamtbestenliste aller Tourenfahrer auf dem 6. Platz! Diese Touristik-Fahrten sind zwar ausdrücklich keine Rennen, allerdings fährt man in der Regel gemeinsam los und die Leistungsstärksten bilden in der Regel eine Spitzengruppe, die sich gegenseitig zu Höchstleistungen anstachelt. Von 1984 – 2000 hat Eberhard an 339 Radtouristik-Fahrten teilgenommen!

 Im folgenden die Dokumentation seines erfolgreichsten Touristikjahres:

 

6361 km und 124 Punkte!!!

Weitere Höhepunkte waren diverse mehrtägige Touren mit den „Hohenlimburger Windschattenkumpeln“, die immer einen gewissen Abenteuercharakter hatten, muss man doch das gesetzte Ziel (meistens um die 200 km pro Tag) erreichen – auch bei Sauwetter und Hitze.

Wenn der Leistungsgedanke einmal verfangen hat und man das Gefühl hat, „es drauf zu haben“ kommt dann irgendwann auch der Zeitpunkt an richtigen Radrennen teilzunehmen, so z.B. an den Iserlohner-6-Tage-Rennen, Trainingsrennen Anfang März, wenn noch kein Blatt am Baum ist und es meistens noch ziemlich kalt ist. Hier merkte Eberhard aber, dass er sich im Sprint und bei schnellen „Eckenrennen“ gegen die alten Hasen nicht durchsetzen konnte.

Seine wahren Stärken konnte er dann aber bei den Marathons ausspielen, Radsportveranstaltungen über 200 km mit vielen Höhenmetern. Seine Figur, 68kg bei 178 Körpergröße passte dazu. Und er hat das für seine Figur unglaubliche Lungenvolumen von 5950 ccm!

An dieser Stelle möchte ich die Frage stellen: Wie schafft man es, sein Leben lang das Gewicht zu halten?

Eberhard trinkt kein Bier (weil er es nicht mag!), das könnte helfen, aber hinsichtlich der Ernährung hat er nichts Besonderes beachtet. Sollte es nicht doch einfach an der wirklich regelmäßigen Belastung und Bewegung liegen? Wozu Diäten? Wozu Nahrungsergänzung? Wenn es doch reicht, dem Körper Bewegung und Anstrengung zu gönnen?

Eberhard Fingerhut: Ruhepuls 60, Blutdruck normal, außer Rücken-OP keine ärztlichen Behandlungen, keine Medikamente, keine besonderen Essvorschriften!

Zurück zu den Marathons: Höhepunkte seiner Radsportkarriere waren die Teilnahmen am Dolomiten-Radmarathon, Drei-Länder-Giro-Nauders, Alpenbrevet Andermatt (212 km – 1988), und Ötztaler Radmarathon. 1988 erreichte er beim Ötztaler Platz 103 trotz einer Reifenpanne – das ärgert ihn noch heute, ohne die Panne wäre er unter den ersten 80 gewesen. Hier merkt man den Ehrgeiz, den er entwickelt hat, hinterherfahren ist für ihn keine Perspektive!

Gefragt nach der härtesten Radsport-Prüfung nennt er das Ardennen-Rennen Claude Criquielion, La Roche 1990 - 24 Hügel/Berge bis 20 %. Aber auch Lüttich-Bastogne-Lüttich in Flandern über274 km war eine harte Prüfung. Stolz ist auf die Zeit von unter 7 Stunden beim 15. Dreiländer-Rad-Giro 2008 – da war er 63 Jahre alt.

2010 fiel die Km-Jahresbilanz ziemlich mager aus – nur 3770 km. Grund: zweite Rücken-OP. Sollte das das Ende sein? Wieder hieß es: die Haltung auf dem Rennrad ist nicht günstig bei Rückenproblemen! Aber Eberhard hatte ja andere Erfahrungen gemacht, trotz dieser Ansage vor der ersten OP hatte er sich eine ungewöhnliche Fitness aufgebaut und sein Leben auf dem Rennrad in vollen Zügen genossen. Also saß er bald wieder auf dem Rad.

2018 habe ich Eberhard selbst mal nach längerer Zeit wieder beim Radfahren erlebt. Wir fuhren eine Bergstrecke hoch, ca. 400 hm in einer größeren Gruppe mit wirklich gut trainierten Leuten, die wesentlich jünger waren und wer war der Erste oben am Berg? Eberhard mit 73 Jahren! Wie kann man in dem Alter noch so stark am Berg sein? Wie sieht sein Training aus?

Eberhard mag keine Kaffeefahrten, er trainiert regelmäßig - meist zwischen 50 und 100 km und meistens mit Intervall-Belastungen. Mit 74 noch Intervall-Belastungen, spinnt der? Was sagt der Arzt dazu? Der wird nicht gefragt! Eberhard hat eine spezielle Bergstrecke, wo er die Begrenzungspfosten am Straßenrand als Maß nimmt und eine, zwei oder drei Strecken volle Pulle fährt und dann wieder einen Teil bis zum nächsten Pfosten locker fährt und das ganze noch im Steigerungsmodus. Mit anderen Worten hat er Trainingsmethoden beibehalten, wie sie auch unter jungen Leistungssportlern üblich sind. Die meisten werden wohl denken, das kann nicht gesund sein. Andererseits sieht er es nicht so, dass er ein bestimmtes Programm abspulen muss, er hört auf seinen Körper, ob es dem auch passt. Das ist wohl so nach 30-40 Jahren Radsport, dass man seinen Körper einigermaßen kennt. Trotzdem ist es ganz außergewöhnlich, dass jemand diesen Biss bis ins hohe Alter durchhält!

Zu seinem Training gehörte früher auch das Laufen, besonders im Winter und heute geht er im Winter oder bei schlechtem Wetter auch aufs Mountainbike. Mehrere Tage hintereinander ohne Belastung – das geht nicht!

Die Km-Bilanz seit dem 36. Lebensjahr beträgt jetzt ca. 280 000 km und im letzten Jahr - 2018 - war ein Rekordjahr: 12 220 km! Und man darf gespannt sein, wie viele Kilometer in den nächsten Jahren noch dazu kommen.

 

Nun haben wir uns einige Radsportleben angesehen. Ausnahmeerscheinungen? „Die sind doch nicht repräsentativ!“

Und wenn doch?

Im folgenden Abschnitt habe ich einige Fakten zusammengetragen, die auch von der wissenschaftlichen Seite überzeugend bestätigen, dass Ausdauersport/Radsport ein Jungbrunnen ist – jedenfalls eine der besten Methoden, um gesund alt zu werden.

 

Wissenschaftliche Erkenntnisse zum Ausdauersport

In den 80er Jahren bekam ich das das Buch „Programmiert für 100 Lebensjahre“ von Dr. med. van Aaken in die Hand. Es ist eine umfassende – teils wissenschaftliche Darstellung - alles dessen, was für eine dauerhafte Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Bedeutung ist. Das Buch erschien 1974 und spielte eine große Rolle für die Entstehung der „Joggingwelle“ und revolutionierte die Trainingsmethoden der Ausdauersportler. War man bis dahin davon ausgegangen, dass Trainingsmethoden, die auf eine Sauerstoffschuld hinausliefen, für den Erfolg entscheidend waren, propagierte van Aaken die „reine Ausdauermethode“.

Das A und O für die Gesundheit ist laut van Aaken der Sauerstoff:

Das ist so, weil der Mensch nur im langen Wandern, Bergsteigen, Radfahren, Skilaufen und besonders im Dauerlauftraining den wichtigsten Lebensstoff vermehrt bekommt, nämlich den Sauerstoff.“

In der Ausdauerübung … kann in jeder Minute das 8fache an Sauerstoff den Zellen des menschlichen Organismus zugeführt werden. Das können keine Atemgymnastik, keine Massage, keine Bäderkuren noch Medikamente bewirken.“

Professor Hollmann und Mitarbeiter z.B. haben nachgewiesen, dass der beste Wirkungsgrad der Atmung etwa erreicht ist, wenn die Pulszahl bei sportlicher Belastung nicht über 130 pro Min. hinausgeht, und bei gut trainierten Radrennfahrern nicht über 150.“

Die Bedeutung des Sauerstoffs für die Gesundheit sowie in der Therapie bestimmter Krankheiten wird in allen möglichen Aspekten ausgeleuchtet, darüber hinaus geht es um Ernährungsfragen und Trainingmethoden. Für mich war dieses Buch seinerzeit eine Initialzündung und ich denke heute, dass sich das meiste bewahrheitet hat und sich mit meinen Erfahrungen und denen meiner Sportkollegen deckt.

2018 zitierte die Radsport-Zeitschrift „Tour“ eine wissenschaftliche Studie des Londoner King‘s College und der Uni Birmingham: „Verglichen wurden 125 langjährige Rennradfahrer im Alter von 50 bis 80 Jahren mit 75 gesunden Erwachsenen gleichen Alters, die nie regelmäßig Sport trieben. Die Labortests zeigten, dass die trainierten Rennradfahrer kaum Muskeln einbüßen; ihr Körperfettanteil sowie der Cholesterin- und Testosteronspiegel bleiben auch im Alter konstant. Darüber hinaus profitiert das Immunsystem: Die älteren Radfahrer bilden genauso viele Immunzellen wie eine Vergleichsgruppe junger Erwachsener zwischen 20 und 36 Jahren.“

Sogar auf die Gehirnleistung haben ausdauerbetonte Sportarten wie z.B. das Radfahren einen nachweisbar positiven Einfluss. Im Juli-Heft 2019 zitierte „Tour“ eine aktuelle Studie der Columbia University. Danach hatten sich bei den Probanden der Studie die Gehirnleistungen, die für das Denken, Planen und Lösen von Problemen zuständig sind, signifikant verbessert. Der Effekt war um so größer, je älter die Teilnehmer waren.

 

Klingt das nicht alles sensationell?

Aber kann dieses intensive und zeitaufwendige Radfahren denn überhaupt Spaß machen? Muss man sich nicht dazu zwingen und viel Disziplin aufbringen? Das sind die berechtigten Fragen der Laien.

Der Flow

Natürlich ist es für einen Untrainierten eine Qual mit einem Fahrrad einen Berg hinauf zu fahren. Aber wie bei allen Aktivitäten kommt es auf den richtigen Aufbau an. Man kann sich kontinuierlich steigern und das in relativ kurzer Zeit. Wenn man sich realistische Ziele setzt, wird man sehr schnell Erfolgserlebnisse haben und die motivieren dann zum nächsten Schritt.

Hier ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte:

Meine erste „große“ Rennrad-Erfahrung nach ca. einem halben Jahr Training! Man überredete mich eine große Himmelfahrts-Ausfahrt nach Winterberg mitzumachen – ca. 210 km! Wer 70 km fahren kann, schafft auch 200, hieß es. Als es morgens losgehen sollte, war es am regnen, der Start wurde verschoben, warten bis 10 Uhr, wenn es trocken wird, fahren wir. Es ging dann auch los und die Fahrt bis Winterberg konnte ich in meiner Euphorie auch ganz gut bewältigen. Als wir in Winterberg eine heiße Suppe schlürften, fing es an zu schneien – Winterberg liegt auf fast 700m Meereshöhe. Meine Ausrüstung bestand aus kurzer Radhose, Unterhemd und Woll-Acryl-Trikot, Kurzarm! Mehr hatte ich nicht. Bei der Rückfahrt hörte es zwar bald wieder auf zu schneien, weil wir wieder in tiefere Lagen kamen, aber es blieb kalt und nass. Ein Kollege hatte mir zu meiner Rettung eine einfache Regenjacke gegeben. Die 100 km zurück wurden für mich lang und länger und entwickelten sich zu einer wahren Tortour, ich hatte noch nie so gelitten! Aber ich wollte mir auch keine Blöße geben und die Fahrt abbrechen. Es kam alles zusammen, fehlende Kondition, falsche Ausrüstung, zu wenig Essen und die Kälte! Irgendwie habe ich durchgehalten und hatte mir damit natürlich die Anerkennung der Kumpels erworben. Als ich nach Hause kam – wir wohnten im zweiten Stock – bin ich die Treppe nur noch auf allen Vieren hochgekommen.

Wozu war das gut? War das nicht verrückt? Es ist in die Erinnerung eingebrannt, eine Er“fahrung“ und ich habe einiges daraus gelernt:

  • Geh nicht untrainiert auf längere Strecken!

  • Sorge für dem Wetter gemäße Kleidung!

  • Auf langen Strecken genug essen und trinken!

Mit allen drei Themen Training, Kleidung/Ausrüstung und Ernährung/Verpflegung sollte man sich als Anfänger ausführlich beschäftigen.

Normal sind Trainingsfahrten über 1-3 Stunden. Wenn man warm geworden ist, kommt man normalerweise nach einer halben Stunde in einen „Flow-Zustand“ - ein Zustand, bei dem man die Anstrengung nicht spürt und sich ein psychisches Hochgefühl einstellt. Die Sauerstoff“dusche“ tut einfach gut. Fährt man alleine auf unproblematischen Strecken, kann man seinen Gedanken freien Lauf lassen – eine Art Meditationszustand ist möglich.

Fahren in der Gruppe

Rennrad fahren alleine hat seine Reize, ist aber als alleinige Trainingsform auf Dauer langweilig. In der Gruppe zu fahren ist etwas sehr Spezielles, was ich dem Einsteiger oder Interessierten hier verdeutlichen will.

Gemeint ist nicht das Spazieren fahren mit Freunden/Freundinnen auf einem Radweg, wie fast jeder es kennt. Dabei hält man Abstand, fährt in gemäßigtem Tempo, unterhält sich und schaut in die Gegend. Beim sportlichen Gruppenfahren ist noch zu unterscheiden, ob man in einer überschaubaren Trainingsgruppe fährt oder im sogenannten Peloton, der Großgruppe im Radrennen.

Bleiben wir zunächst mal bei der Trainingsgruppe. Das Wesentliche hierbei ist der „Windschatten“, was sich der Laie meistens nicht vorstellen kann, weil man die Erfahrung erst einmal gemacht haben muss. Je nach Tempo und Windverhältnissen kann der Radrennfahrer im Windschatten bis zu 50 % der Kraft einsparen, die der Führende aufbringen muss. Daraus erwächst die Möglichkeit, dass eine gut trainierte Radfahrgruppe auf gerader Strecke ein Tempo von 45-50 über längere Zeit halten kann. Was aber auch bedeutet, dass spezielle Anforderungen entstehen, die mit Disziplin, Konzentration und Übung zu tun haben.

Der Sog des Windschattens entsteht ja nur, wenn der Abstand zum Vordermann möglichst gering ist, konkret heißt das, dass der Abstand zwischen Vorderrad und dem Hinterrad des vorne Fahrenden nur ca. 50 cm betragen darf. Daraus erwächst natürlich die Gefahr des Auffahrens, was im schlimmsten Fall zum Massensturz führen kann.

Passiert aber nur selten, wenn sich alle an die Spielregeln halten. Der jeweils hintere Fahrer sollte in der Regel leicht versetzt fahren, wodurch bei einem plötzlichen Bremsmanöver etwas mehr Spielraum bleibt. Andererseits sollte es möglichst keine plötzlichen Bremsmanöver geben, was konkret heißt, dass die vorne Fahrenden Hindernisse, plötzliche Gefahren, Schlaglöcher usw. lautstark ansagen, so dass die ganze Gruppe auf das Vorkommnis aufmerksam wird. Die Hände müssen deshalb eigentlich permanent auch in Bremsbereitschaft sein.

Je größer die Gruppe ist, um so bedeutsamer sind alle Vorsichtsmaßnahmen wegen des Verzögerungseffekts, der nach hinten immer größer wird. Die Gruppe muss einen harmonischen Verband darstellen, wo jeder mehr oder weniger intuitiv reagieren muss, d.h. auch angemessen dosiert bremsen und umgekehrt nach einem Ampelstopp auch angemessen beschleunigen, denn nicht jeder hat ausgebildete Sprintfähigkeiten.

Die enorme Energie-Einsparung des Windschattenfahrens bedeutet natürlich auch, dass nicht immer dieselben Fahrer die Führung einnehmen können. Also muss es einen Wechselmodus geben, der allen bekannt ist und eine gleichmäßige Fahrt ermöglicht. Bei uns ist es so, dass der Führende kurz beschleunigt, nach rechts zieht (wenn Platz ist) und per Handzeichen oder Ansage den Wechselwunsch äußert. Erst wenn das klar ist, hört er auf zu trampeln und lässt sich zügig nach hinten fallen. Dabei sollte er nicht zu viel an Tempo verlieren, weil er sonst eventuell Mühe hat, sich hinten wieder einzureihen. Vorne ist es dabei wichtig, dass der neue Führende das vorige Tempo zunächst mal beibehält und nicht meint, er/sie müsste jetzt zeigen, was er/sie kann!

Das größte Problem bei Gruppenfahrten ist das unterschiedliche Leistungsniveau. Eine harmonische Gruppenfahrt ist nur möglich, wenn die Unterschiede nicht zu groß sind oder die Starken sich bewusst zurücknehmen. Einen gewissen Ausgleich kann man auch erreichen, wenn die Schwächeren die Führungsposition nicht übernehmen und entweder immer hinten bleiben oder zusammen mit dem Führenden nach hinten wechseln. Auch muss man daran denken, sich in vorderer Position aus falsch verstandenem Ehrgeiz nicht zu lange aufzuhalten. Denn was nutzt es der Gruppe, wenn man zeitweilig gut voran kommt, aber der eine oder andere nach einer Stunde platt ist?

Erfahrungsgemäß dürfen die Unterschiede in der Radfahr-Gruppe aber nicht zu groß sein, weil es entweder den Schwächeren oder den Stärkeren keinen Spaß macht. Die Schwächeren ärgern sich, wenn sie zu oft im roten Bereich fahren müssen und die Stärkeren ärgern sich, wenn sie ihren Puls überhaupt nicht hoch kriegen. Deshalb muss man sich und die anderen kennen, man muss sich einordnen können, die Unterschiede dürfen nicht zu groß sein. Wenn all das gegeben ist, kann es sehr viel Freude bereiten z.B. den ganzen Tag in der Gruppe zu fahren. Meine längste Strecke waren 300 km von Hagen bis zur Nordsee - hört sich viel an, lässt sich aber bei einem mittleren Trainingszustand gut bewältigen. Ein anderes Mal waren wir in einer homogenen 10er Gruppe von Hagen aus in zwei Stunden am Rhein, wobei es richtig zur Sache ging. War aber nur möglich, weil sich eine perfekte Gruppenharmonie einpendelte.

Wichtig ist also festzuhalten, dass das Rennradfahren in der Gruppe stets die Bereitschaft zum Einhalten von Regeln und die Bereitschaft zu Disziplin und Konzentration fordert. Wenn man dazu nicht aufgelegt ist, ist es besser alleine eine Runde zu drehen.

Ein noch ganz anders Thema ist das Fahren im Peloton, das eigentlich nur im richtigen Radrennen oder bei bestimmten Großveranstaltungen vorkommt. Vorweg: Das Fahren im Peloton ist ein ganz besonderes Erlebnis – es ist stets ein Abenteuer!

Als ich mit dem Rennrad anfing, bewegte ich mich ein paar Jahre in einer Freizeitgruppe. Mit 35 Jahren wollte ich mal ausprobieren, wie sich ein richtiges Radrennen anfühlt und wollte in der Seniorenklasse starten. Doch gerade in dem Jahr hatte der Radsportverband die Altersklassen-Einteilung geändert, als Senior galt erst der, der das 40. Lebensjahr vollendet hatte. Das bedeutete Radrennen in der C-Klasse (18-40 Jahre). Seinerzeit gab es in NRW noch relativ viele Rennangebote und die C-Klasse-Fahrerfelder waren in der Regel ziemlich groß, oft über 200 Teilnehmer – dabei sehr gute Fahrer, die durch ein paar Siege oder Platzierungen aufsteigen konnten in die A- und B-Klasse und diverse Newcomer und Anfänger, wie ich es war. Damit hatte ich eine andere Dimension betreten und das Rennfieber ließ mich 6 Jahre nicht mehr los.

Wie ist es nun mit 200 anderen loszufahren?

Hier herrscht maximale Konzentration, abschweifende Gedanken sind kaum möglich. Man ist stets umgeben von anderen und muss sich stets der Situation anpassen, man bewegt sich in einem Schwarm, macht jede Bewegung der Nachbarn mit und ist – wenn man nicht in vorderer Position ist – geschützt vor Gegenwind. Wenn gerade keine Tempoverschärfung läuft, kann man unangestrengt mitrollen. Will aber jemand aus dem Schwarm herausfahren und alle gehen hinterher, dann muss man oft an die Leistungsgrenze, um den Schwarm nicht zu verlieren. Verliert man ihn, fällt man hinten heraus aus dem Peloton, ist das Rennen für einen schwächeren Fahrer gelaufen, dann steht er allein im Wind. Es gibt viele taktische Varianten, wie man sich im Radrennen verhalten kann, das alles zu erklären, würde hier zu weit führen. Aus meiner Sicht ist jedes Radrennen ein Abenteuer und produziert jede Menge Adrenalin.

Wie du vielleicht nun siehst, hat Rennradfahren viele interessante Aspekte. Das Wichtigste sollte hier aber sein, zu zeigen, dass es offensichtlich hilft, lange gesund und leistungsfähig zu bleiben.

 

Volker Renfordt